Gesundheitspflege, Fitness, Wellness und Medizin

Moderne Medizin im Kreuzfeuer

Ziel ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der bestmöglichen Gesundheit. Ein Bericht in Wissen aktuell nahm kürzlich die moderne Medizin scharf ins Fadenkreuz – tatsächlich stellt sich die Frage nach Ethik medizinischer Forschungen und Anwendung jedoch immer wieder in vielen Bereichen – und kann selten einfach beantwortet werden.
Die Fortschritte in der modernen Medizin sind beeindruckend. Neue Heil- und Behandlungsmethoden werden fast monatlich entdeckt, immer neue, bessere Medikamente kommen auf den Markt. Genau dieses Tempo und die damit manchmal verbundenen Fehler, Risiken oder Unwägbarkeiten sind es, was der Bericht auf “Wissen aktuell” zum Anlass nahm, die moderne Medizin einer kritischen Betrachtung auszusetzen. Anlass dazu gab ein Vorfall in einem Krankenhaus in London im März 2006, als an einer Reihe Freiwilliger ein neues Medikament, eine gepriesene Wunderwaffe gegen Multiple Sklerose und ähnliche Immundefekte getestet wurde. Die angekündigte Sensation entfiel, zum Schrecken aller Beteiligten hatte eine große Zahl der Versuchsteilnehmer plötzlich mit lebensbedrohlichen Nebenwirkungen des Medikaments zu kämpfen. Der Vorwurf ging an das Pharmaunternehmen, unausgereifte Medikamente klinisch zu testen, um eine Zulassung schneller “durchzupeitschen” und damit mehr Profit zu machen.
Was natürlich die Frage aufwirft, ob das ein bedauerlicher Einzelfall war, oder durchaus öfters so passiert – man denke daran, dass so gefährliche Stoffe wie Ecstasy eigentlich aus der Pharmazeutenküche stammen und als Medikament im klinischen Einsatz geplant waren, oder die “Anti-Raucher-Pille” Zyban, die als Nebenwirkung schwere Krampfanfälle auslösen kann. Das Argument, die Versuchsteilnehmer hätten sich ja freiwillig gemeldet, kann man hier jedenfalls keinesfalls gelten lassen, weil alle Versuchsteilnehmer das im vollen Vertrauen auf die moderne Wissenschaft getan haben. Wo wollte man hinkommen, wenn man schon den Fachleuten in ihrem Fach nicht mehr trauen würde – zumal in so einem lebenswichtigen Bereich?
Die moderne Medizin hat natürlich eine technische und auch eine wirtschaftliche Seite – mit all den Schattenseiten und Nachteilen, die das mit sich bringt, wie das Streben nach maximalem Profit. Andererseits fließt genau dieser Profit in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente – was jetzt zwar keine Rechtfertigung ist, zumindest aber eine Tatsache. Und überall, wo man Neuland betritt, passieren Fehler. Auch das ist eine Tatsache. Nicht nur in der Medizin. Nur sollte man dort eben umso sorgsamer mögliche Konsequenzen abwägen – eine Verletzung der gebotenen Sorgfalt wirkt hier einfach ungleich schwerer als anderswo.
Ein viel bedeutsamerer Kritikpunkt scheint mir jedoch die “technische” Fixierung der modernen Medizin zu sein: der Mensch wird als rein funktionelles technisches Werk betrachtet, weniger als ein lebendes, denkendes und vor allem sich veränderndes und seiner Umwelt anpassendes Wesen – der Blick aufs große Ganze bleibt hier oft verstellt, die Einflüsse, die unser Denken, unsere Lebensweise und unsere alltägliche Umwelt auf uns haben, werden aus den Forschungen ausgeklammert, obwohl man zugibt, dass mindestens die Hälfte unserer Zivilisationskrankheiten zu großen Teilen wahrscheinlich von der Lebensweise herrühren. Viele alternativmedizinische Strömungen, vor allem die östlichen Heilweisen haben, da eine sehr unterschiedliche Betrachtungsweise und finden vor allem auch daher enormen Zulauf. Wieder einen Blick auf den Menschen als Ganzes, als sich ständig veränderndes im labilen Gleichgewicht befindliches System zu werfen, könnte wohl auch für die moderne Medizin wirklich wichtige Wege in die Zukunft eröffnen.

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