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Borderline-Syndrom – eine neue Geißel unserer Zeit?

Das Borderline-Syndrom gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen.
Nach einer aktuellen Studie leiden möglicherweise mehr als 9% aller Deutschen unter dem Borderline-Syndrom. Was das bedeutet und wie schwierig die Welt und vor allem persönliche Beziehungen für die Betroffenen sind, können die wohl die wenigsten ermessen. Trotz der hohen Zahl Betroffener haben die wenigsten überhaupt schon davon gehört, oder können mit dem Begriff etwas anfangen.
Das Borderline-Syndrom gehört zur Gruppe der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörungen, früher auch „Charakterneurosen“ bezeichnet. Persönlichkeitsstörungen sind keine Geisteskrankheiten an sich, sondern, wie der Name schon sagt, Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung. Sie treten meist erst mit Beginn der Pubertät deutlich auf.
Der Name kommt daher, weil das Syndrom an der „Grenzlinie“ zur Psychose liegt, die auch gelegentlich im Laufe der Erkrankung kurzzeitig überschritten werden kann. 
Die Ursachen von Persönlichkeitsstörungen im allgemeinen sind heute noch weitestgehend ungeklärt, Traumata in der Kindheit spielen aber in fast allen Fällen mit Sicherheit eine Rolle, gerade in der jüngeren Forschung wird Borderline-Symptomatik auch oft als so genannte „posttraumatische Belastungsstörung“ klassifiziert.
Auf der anderen Seite wird eingewendet, dass eine gewisse Veranlagung für affektive Störungen bei manchen Menschen vorhanden ist – das heißt, ein intensiveres Gefühlserleben als Teil der individuellen Persönlichkeit schon angelegt ist. Überschreitet nun ein psychischer Belastungsfaktor die durch die Veranlagung niedriger als bei anderen Menschen liegende Toleranzschwelle, kommt es zur Ausprägung einer Persönlichkeitsstörung.
Im wesentlichen sind die Leitsymptome der Borderline-Erkrankung: Neben den wohl bekannten typischen „Selbstverletzungen“ auf körperlicher oder auch seelischer Ebene (Selbstentwertung), die aber bei weitem nicht immer so deutlich auftreten müssen, ist ein weiteres Leitsymptom auch die permanente Angst, in irgendeiner Form – auch im übertragenen Sinn – verlassen oder „fallengelassen“ zu werden. Daraus resultieren zwar intensive, aber äußerst instabile zwischenmenschliche Beziehungen und ein sehr instabiles, stark negativ gefärbtes Selbstbild.
Ein weiteres, oft sehr deutlich zutage tretendes Bild beim Borderline-Syndrom sind extreme Stimmungsschwankungen und eine oft explosive Reizbarkeit, wobei die Wut meist schwer kontrolliert werden kann.
Durch das ständige Pendeln der Gefühle zwischen extrem positiv und extrem negativ, ohne irgendwelche Zwischentöne wahrnehmen zu können, wird die eigene Person als schwankend und unsicher erlebt, und es kann sich kein stabiles Selbstbild entwickeln. Unter schweren Belastungen kann es auch manchmal zu paranoiden Vorstellungen oder Verhaltensweisen kommen.
Das Borderline-Syndrom tritt meistens gepaart mit anderen Persönlichkeitsstörungen und in sehr vielen Fällen auch gemeinsam mit Depressionen auf.
Boderliner sind grundsätzlich ihr ganzes Leben lang Borderliner, auch wenn durch Therapien und Medikamente oft eine Besserung erreicht werden kann. Die Grundzüge der Borderline-Persönlichkeit bleiben so gut wie immer erhalten, die Betroffenen können allerdings lernen, ihr Verhalten und sich selbst besser verstehen und einschätzen zu lernen, eigene Unterstützungssysteme zu entwickeln, und ein einigermaßen ausgeglichenes Leben zu führen.
Medikamentös wird je nach der Ausprägung der unterschiedlichen Symptome mit verschiedenen Medikamententypen gearbeitet teilweise auch mit Antipsychotika, in der klinischen Praxis kommen jedoch hauptsächlich Antidepressiva, die meist auch eine angstlösende Wirkung haben, zum Einsatz.
Sehr viel wichtiger jedoch sind Psychotherapien, die den Betroffenen ermöglichen, mit ihrem „Handicap“ umzugehen, in den letzten Jahren sind immer mehr Therapien entwickelt worden, die auch bei Borderlinern durchwegs gute Ergebnisse erzielen.

One Response to “Borderline-Syndrom – eine neue Geißel unserer Zeit?”

  1. Dieser Artikel gibt einen wirklich guten Überblick über das Borderline-Syndrom, vielen Dank, dass Sie sich des Themas annehmen. Als Betroffene kann ich mir nur wünschen, dass Angehörige, Partner und Freunde sich einen vernünftigen Einblick in das Störungsbild verschaffen, denn Verständnis gibt ganz viel Ruhe und Kraft, wenn man es mit Borderlinern zu tun hat.

    Anderen Betroffenen möchte ich raten, sich über DBT zu informieren. Hier ein Auszug.

    Viele Grüße,
    Corinna

    Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT)
    Die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) ist eine kognitive Verhaltenstherapie und orientiert sich am neurobehavioralen Entstehungsmodell (siehe Abschnitt Entstehungsmodelle).
    Ziel ist es, den Patienten in verschiedenen Bereichen zu stärken. Dabei sollen die Vorteile von bestimmten Verhaltensstrategien herausgearbeitet werden, ohne die bisherigen Lösungsversuche für ungültig zu erklären. Dialektik im Sinne der DBT zielt darauf ab, scheinbare Gegensätze in der Welt des Patienten aufzulösen und sie schrittweise zu integrieren.
    Für die DBT konnten gute Erfolge bei der Borderline-Therapie nachgewiesen werden.

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